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13.11.12

„The Moor's Pavane“ – oder: Kurze Nachhilfestunde in Modern Dance

„Forever Young“ – ein Abend mit Balletten von 1933, 1949 und 2009, also fast 80 Jahre umspannend. Und wenn wir uns nur einmal José Limón, einem der drei Choreographen dieses Abends, zuwenden, so stoßen wir in ein Fadenkreuz amerikanisch-europäischer Tanzgeschichte der Moderne, auf Quellen des Modern Dance. Ruth St. Denis, Ted Shawn und Martha Graham stehen am Anfang. Sie wurden noch im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts geboren und waren bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts prägend für den amerikanischen Modern Dance. Doch nicht nur für diesen, auch die Arbeit beispielsweise der Europäer Jiří Kylián oder Nacho Duato wurden von ihm beeinflusst.

Limón, selbst 1908 geboren, veränderte vor allem das Männerbild im modernen Tanz. Inspiriert von dem deutschen Ausdruckstänzer Harald Kreuzberg kämpfte er gegen die Festschreibung der Rollen von Mann und Frau, wie sie die klassische Balletttradition zu verantworten hatte. Er kam von der bildenden Kunst, hatte an der Kunstakademie in Los Angeles, Kalifornien, Malerei und Bildhauerei zu studieren begonnen und ging erst 1928 nach New York, um klassischen und modernen amerikanischen Tanz zu studieren. Nicht lange, und er begann selbst zu choreographieren und einen eigenen Stil zu prägen: Er ließ in Musik, Bewegung und Ausdruck deutliche Einflüsse seiner eigenen mexikanisch-amerikanischen Kultur einfließen.

Er choreographierte Stücke mit starken männlichen Charakteren – zunächst als Signaturstück zwei Jahre nach Gründung seines eigenen Ensembles „The Moor’s Pavane“, aber denken wir auch an zwei andere Werke, die ebenfalls im Repertoire des Staatsballetts lebendig sind, „The Unsung“ für ein Männerensemble und „Chaconne“, ein Männer-Solo, das auch von einer Frau getanzt werden darf. Dramatisch, kraftvoll und emotional bei gleichzeitiger formaler Strenge, prägte seine Handschrift viele Zeitgenossen und Generationen moderner Tänzer und Choreographen. Er selbst unterrichtete sie unter anderem beim American Dance Festival, der Juilliard School’s Dance Division New York ab 1953, beim American Dance Theater von 1964 bis 1965. Limón starb 1972 an Krebs.

Heute wird die Limón-Technik von vielen ehemaligen Tänzern seines Ensembles unterrichtet, auf Festivals, Werkstätten und in vielen Schulen, und zwar in Amerika wie in Europa, wo „Modern Dance“ lange ein Synonym für „Graham-Technik“ bedeutete. Seine Technik, sein Stil und seine Philosophie beruhen darauf, den Körper nach den Prinzipien von Fallen, Rebound (der Schwerkraft nachgeben und Widerstand gegen sie leisten) und dem richtigen Einsatz der Atmung zu trainieren, damit er sein volles Bewegungspotential und gleichzeitig seine darstellerische Kraft entfalten kann.

Von Bettina Wagner-Bergelt

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