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11.06.10

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Ein „neuer“ Platz für München

Wer kennt ihn schon beim Namen, den Marstallplatz? Die Fläche im Schatten der Münchner Residenz galt vielen jahrelang als städtischer Unort. Bis vor kurzem als Parkplatz genutzt, wird der Marstallplatz von Ortskundigen immer noch vor allem als Abkürzung zwischen Maximilianstraße und Altstadtring geschätzt. Diesen Sommer rückt er jedoch in den Fokus der Öffentlichkeit, nämlich während der Münchner Opernfestspiele als Plattform für den Pavillon 21 MINI Opera Space. Die von Coop Himmelb(l)au entworfene temporäre Spielstätte wird bis zum 25. Juli den Versuch unternehmen, ein neuer urbaner Anziehungspunkt für die Stadt zu werden.

Vor seinem Dornröschenschlaf war der Marstallplatz als Teil der Residenz fest in deren Alltag integriert: Allerheiligenhofkirche, Cuvilliés-Theater und königliche Reitschule bildeten den Rahmen dazu. Die Münchner Residenz ist, über Jahrhunderte gewachsen, eine Mischung aus Renaissance, Barock, Rokoko und Klassizismus. Im jungen Königreich ließ Ludwig I. zu Beginn des 19. Jahrhunderts große städtebauliche Veränderungen vornehmen, und so wurden nach der Säkularisation anstelle des bisherigen Franziskanerklosters das Königliche Hof- und Nationaltheater und der Max-Joseph-Platz nach den Plänen Karl von Fischers errichtet. Den heutigen Umfang erreichte die Schlossanlage bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Leo von Klenze errichtete um 1820 als Ersatz für das vormalige Turnierhaus den Marstall, der bis heute den Platz prägt.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die schwer zerstörte Residenz größtenteils rekonstruiert. Der Marstall war 1944 ausgebrannt und wurde Ende der 60er-Jahre unter Wahrung der äußeren Form wiederaufgebaut. Die Neubauten des Kulissengebäudes der Staatsoper und des Staatsschauspiels sowie des Spanischen Kulturinstituts veränderte den Marstallplatz nachhaltig: Der Baukörper teilt den ehemals großen Hof und verdeckt die Fassaden der Residenz sowie die Allerheiligenhofkirche. In jüngster Vergangenheit endete die Zeit des Marstallplatzes als Ruinengrundstück durch die Neubauten von Max-Planck-Institut und Probengebäude. Beide haben jedoch Mühe mit ihrer gläsernen Leichtigkeit der noblen Schwere des Marstalls Paroli zu bieten. Sein Versprechen als neuer Treffpunkt im Herzen Münchens konnte der neu gestaltetet Platz bisher nicht einlösen. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf den Pavillon 21 der Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au und sind gespannt, wie er den Marstallplatz verändern wird.

Von Petra Schindler und Stephan Feldmaier

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Nun ist er also fertig gestellt: der Pavillon 21 MINI Opera Space auf dem Marstallplatz.

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Kommentare (3)

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  1. Schade, dass die Fassade jetzt mit einem Bauzaun und Tesafilm gesichert werden muss. Wie wäre es denn mit blauen Schaumstoffkugeln auf den “gefährlichen” Spitzen.

    lorenzodaponte · 19.06.10 · #


  2. Lieber lorenzodaponte,

    tatsächlich sind die Ecken der Spikes im Augenblick noch etwas scharfkantig und Verletzungen damit nicht ganz ausgeschlossen. Aber keine Sorge: Bis zur Eröffnung am Donnerstag der Bauzaun weg sein!

    Schönen Gruß
    Johannes Lachermeier

    Johannes Lachermeier · 21.06.10 · #


  3. Nachdem ich an anderer Stelle in diesem Blog kritische Äußerungen über Konzertreisen nach Abu Dhabi lesen konnte, wundert es mich ein wenig daß hier niemand nach Sinn und Unsinn fragt.
    Ist dieses Projekt ein Erfolg für die Staatsoper? Ich will garnicht auf finanziellen Erfolg hinaus. Wenn man den technischen Aufwand im Verhältnis zu den künstlerischen Projekten betrachtet, so dürften diese wohl auch in den Hintergrund treten.
    War es ein künstlerischer Erfolg oder eher ein geflopter Gewaltakt? Ist nicht alles nach Schlingensief unverständlich, unspektakulär und bestenfalls zweitklassig gewesen? Dies ist nämlich meine Meinung.
    Dem Hauptsponsor muß man ein echtes Lob aussprechen, professionelle Auftritte und perfekte Selbstdarstellung. Aber wer hat von einem Industriekonzern etwas anderes erwartet?
    Am interessantesten waren doch wirklich die Arbeiten im Pavillon zu beobachten. Egal ob Tag oder Nacht, egal ob sengende Hitze oder strömender Regen, es wurde geschleppt, geschraubt, gehämmert, Scheinwerfer rauf und runter gehieft, Sattelzüge fuhren an und ab. Das war es, was faszinierend war, da sah man Leidenschaft. Der Rest war leider mehr als traurig und müde.
    Spannend bleibt, ob wir den Pavillon je wieder sehen? Ich hoffe ihn nicht wieder zu sehen. Ich mag die Architektur nicht, und der Raum ist bestenfalls für eine Lecture geeignet. Natürlich abgesehen von Schlingensief, aber die Faszination die von ihm ausgeht und sein Erfolg ist wirklich unabhängig von jeglichem Raum.
    Kulturpolitisch bleibt es somit spannend um die Oper.

    — Roland · 24.07.10 · #




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